Mode, die auffällt,
ohne aufzufallen.

Hanna Wolf

BIRKENSTORY #1: Hanna Wolf (30) – Modedesignerin


Hier sei München wie Berlin, London oder New York, nur mit weniger Graffiti und besserer Müllabfuhr, sagt man über die belebte Gegend über dem inzwischen unterirdisch verlaufenden Glockenbach: dicht gedrängt buhlen Cafés, Bars, Restaurants und Läden um Kundschaft.

Ein weiteres Kleinod bereichert seit kurzem das Viertel: KILENZ, Atelier der Schneidermeisterin und Modedesignerin Hanna Wolf.




Der eigene Laden, für Hanna bisheriger beruflicher Höhepunkt und ihr kreatives Zuhause: „Hier kann ich mein Produkt und mich selbst präsentieren.“ Das liebevoll renovierte Atelier in den Räumen einer ehemaligen Schuhmacherwerkstatt spiegelt in seiner stilvollen Puppenstubigkeit das, was auch Hannas Mode sein will: elegant, puristisch, frei von Überflüssigem. Betritt man den Laden, findet sich links ihre aktuelle Kollektion, hoch oben hängen reihenweise Schuh-Leisten aus Holz. Hanna teilt sich Laden und Werkstatt mit Freundin und Schuhmacherin Lotte Post.

„Auch leise Töne machen Musik.“


Die Begegnung mit Hanna macht Menschen froher, nicht nur aus modischen Gründen: man trifft auf eine Person von einnehmender Freundlichkeit, elfenhaft anmutender Schönheit und unaufdringlicher, doch sehr präsenter Kompetenz. Wie kann sie mit ihrer stillen Art in der Modebranche auf sich aufmerksam machen?

„Ich denke, auch leise Töne machen Musik. Man braucht länger, aber es wirkt dafür nachhaltiger. Ich glaube, die Menschen, die mich kennen lernen, sind so überzeugt, dass sie wieder kommen. Und das hat einen stärkeren Effekt, als ein kurzer, lauter Schrei!“



Hannas Stil? „Unangestrengt-lässig, nie bemüht, trotzdem natürlich-elegant. Und nie zu viel, eher schlicht. Leise Töne hinterlassen mehr Eindruck!“ Zuerst geht es für sie um die Wahrnehmung der Person, das Drumherum gehöre in den Hintergrund. „Ich mache Mode, die auffällt, ohne aufzufallen“, resümiert sie. Und ohne es zu wissen beschreibt Hanna sich damit auch ein Stück weit selbst: Auch sie fällt auf - ohne dabei aufzufallen.

Die Herstellung eines Brautkleides kann ein halbes Jahr dauern, Hanna hat meist viel Kontakt mit ihren Kundinnen. „Das hat dann auch was von einem Friseurbesuch“, lacht sie. Und wann sind Kundinnen schwierig? Klare Antwort: „Wenn sie nicht wissen, was sie wollen.“ Sie hingegen wusste schon immer, was sie will. „Fast zu sehr, auch heute noch“, schmunzelt sie.



„Nachhaltigkeit ist mir wichtig und wo etwas herkommt. Ich versuche, fair produzierte Materialien ohne Schadstoffe zu finden, die trotzdem den Charakter haben, den ich brauche."


Bereits in der 11. Klasse beschloss Hanna, statt Abitur lieber eine Schneiderlehre zu machen. „Ich wusste genau, wo ich hin will!“ Eine wichtige Eigenschaft, denn das Überleben im Modegeschäft ist herausfordernd: „Man braucht viel Disziplin und Zielstrebigkeit. Es ist niemand da, der einem sagt, was man tun muss. Das ist hart, aber zugleich auch schön.“

Die 30jährige wuchs in einem der ersten Bioläden des Landes auf, ein Lebensstil, der sie prägte. Hanna geht sehr bewusst mit allem um, was sie umgibt: „Nachhaltigkeit ist mir wichtig und wo etwas herkommt. Ich versuche, fair produzierte Materialien ohne Schadstoffe zu finden, die trotzdem den Charakter haben, den ich brauche. Weiße Biobaumwolle bekommt man leicht, aber ich achte auf Oberflächen und Strukturen, brauche besondere Sachen - da ist die Auswahl nicht groß.“

Überhaupt legt Hanna viel Wert darauf, wie Dinge hergestellt werden und Qualität erkennt sie auf den ersten Blick: „Ich greife automatisch zum teuersten Produkt, weil handwerkliches Können sich auch im Preis niederschlägt. Heute tendiere ich dazu, lieber weniger, dafür aber bessere Dinge zu kaufen.“



Hanna trägt Birkenstock, meist Madrid.

„Ich stehe den ganzen Tag und ich trage gern offene Schuhe. Birkenstocks haben sich bewährt, die haben was einfach-rustikales. Und sie gefallen mir.“ Und sie lassen sich gut mit ihrer Mode kombinieren, „…weil sie zu den besonderen Materialen und Oberflächen eine gewisse Lässigkeit in den Look bringen.“

Zum Schluss ein Tipp: womit ist man gut angezogen? „Einige qualitativ hochwertige Stücke wie eine gute Jeans, einen guten Schuh – Basics, die zu allem passen und kombinierbar sind. Dafür kann man auch mehr Geld ausgeben. Das macht dann genau den Unterschied!“


Info: http://kilenz.com