Ich wusste mein Leben lang, dass ich ins Ausland will.

Florian Akinbiyi

BIRKENSTORY #4

Florian Akinbiyi (36) – ein Bayer in Dubai

“Ich bin geboren und aufgewachsen in Bad Tölz – im tiefsten Bayern“, beginnt Florian zu erzählen. Hier wurde er groß – ohne seinen Vater, der ursprünglich aus Nigeria kommt und seit über 30 Jahren in London lebt. „In diesem ganzen Setting war ich immer ein bisschen ein anderer Charakter. Wenn ich mir alte Tölzer Zeitungsberichte anschaue – selbstverständlich war ich Ministrant und im Knaben-Chor – dann sticht da natürlich der farbige Junge heraus aus all den bayerischen Gesichtern. Ich glaube, das war auch die Motivation für mich ins Ausland zu gehen.“

Seit sieben Jahren lebt der 36jährige nun in den Arabischen Emiraten. Hier organisiert und moderiert er als Selbstständiger Events und Veranstaltungen. „Mittlerweile habe ich fast jedes Veranstaltungsformat gemacht, auch viele sogenannte B2B-Konferenzen für die Automobilindustrie. Die Moderation soll eines von mehreren Standbeinen für mich werden – sie ist als Job aber schlecht planbar“, erklärt er. „Deshalb habe ich angefangen, Menschen zu coachen, um bessere Sprecher aus ihnen zu machen. Ich bin dabei, das zu einem Geschäft aufzubauen.“

Wie kommt man eigentlich in diese Branche? „Eher zufällig – aber das ist irgendwie typisch für mein Leben,“ sagt Florian, der mit 15 Jahren als Tellerwäscher in einem Erlebnisbad begann und dort schon bald erste Veranstaltungen wie Surfcontests und Sommerevents organisierte. Nebenbei half er, in einem Naherholungsgebiet mit kleinem Skigebiet einen Snowboardpark mitaufzubauen. So hatte er bereits mit Anfang zwanzig sehr viel Erfahrung – und eine eigene Event-Agentur in Bad Tölz.

Dubai: „Eine verrückte Stadt – entweder Du liebst sie oder Du kommst nicht klar.“

2010 erhielt er dann von einer Kommunikations-Agentur das Angebot, nach Dubai zu gehen. „Ich wurde an einem Sonntag gefragt – und am Donnerstag saß ich im Flieger“, lacht er. Dubai sei „eine verrückte Stadt – entweder Du liebst sie oder Du kommst überhaupt nicht klar. Vieles ist künstlich, es ist ja eine Stadt in der Wüste.“ Florian hat sich jedoch bestens mit der 4-Millionen-Metropole arrangiert und wohnt zusammen mit seiner Frau, der Südtirolerin Alexandra, im 49. Stock eines Hochhauses. Besonders schön für beide: der Blick aufs Meer.

„Go with the Flo“

„Go with the Flo“ steht in Florians Email-Signatur – und auch sein Alltag scheint sich ganz dem Flow der Hightech-Wüstenstadt angepasst zu haben: „Ich versuche früh aufzustehen und zu meditieren. Ein Büro habe ich nicht – ich brauche keines.“ Florian arbeitet einfach überall. „Meine Frau schimpft mich oft, weil ich jeden Abend etwas vorhabe: Veranstaltungen, Connections warm halten, netzwerken. Und Sport möchte ich natürlich auch noch machen: Fitness, Kickboxen – solche Sachen. Da bleibt dann gerade noch ein Abend auf der Couch – schon ist die Woche rum!“

„Es macht uns Spaß, das Schöne zu genießen, aber wir heben nie ab!“

Kann man sich in dieser fast künstlich anmutenden Stadt nicht in Oberflächlichkeit verlieren? Dubai, erklärt Florian, sei sehr vielfältig und eine Stadt der Extreme: „So viele Supercars wie hier sieht man wohl nirgendwo auf der Welt. Aber Dubai ist nicht nur reich: Du kannst auf der anderen Seite auch zu zweit für fünf Euro beim Inder essen.“ In all den Jahren hier sind Florian und seine Frau bodenständig geblieben: „Wir kommen beide aus ganz normalen Haushalten. Es macht uns zwar Spaß, das Schöne zu genießen, aber wir heben nie ab. Wenn wir wieder in Deutschland sein sollten, fahren wir eben wieder U-Bahn und nicht mehr Auto!“

„Jeder Mensch verdient Respekt.“

„Ich habe viel von meiner Mutter übernommen. Das geht schon im Kleinen los: dass man für andere da ist, dass man hilft und respektvoll miteinander umgeht. Gerade hier fällt einem das schon besonders auf: die armen Inder und Pakistani bekommen keinen Respekt. Das stört mich sehr und ich versuche, jedem ein nettes Wort zu geben.“

Deutschland besucht Florian zwei bis vier Mal Mal pro Jahr, Heimweh kennt er nicht. „Ich bin gerne zuhause, aber ich wusste ja immer, dass ich ins Ausland will. Ob wir hier alt werden – keine Ahnung – aber im Moment gefällt es uns hier.“ Wusste Florian schon immer so genau, was er will? „Ja, schon – es dauerte nur manchmal einen Moment, bis ich meinen Weg gefunden hatte...“

„Der Schuh ist für mich Heimat in der Ferne.“

Florian und Birkenstock? – Er weiß gar nicht mehr so genau, woher er die Schuhe eigentlich kennt. „Die waren einfach schon immer da“, lacht er. „Als ich mit 15 in diesem Schwimmbad als Tellerwäscher arbeitete, kaufte ich sie. Da musste man Sandalen tragen und ich nahm eben Birkenstocks. Seither hab ich die. Das sind Klassiker – vor allem wenn man aus Deutschland kommt.“ Er hat das Modell Arizona und trägt es heute immer noch, auch und gerade in Dubai. Er weiß genau, warum: „Der Schuh ist für mich immer so ein bisschen Heimat in der Ferne.“