Skip Button
Das Produkt wurde erfolgreich zum Warenkorb hinzugefügt!

"Er wird niemals Abt werden. Seine Nase ist zu groß."

Seine Heiligkeit, der Dalai Lama, über Nicholas Vreeland

BIRKENSTORY #27

Nicholas Vreeland – Abt des Klosters Rato Dratsang in Südwest-Indien

Kurz nach fünf Uhr erwacht in Rato Dratsang das Leben. Mit Meditation, Gebeten und Frühstück beginnt die Gemeinschaft des über 600 Jahre alten tibetanischen Klosters ihren Tag. In den schlichten Gebäuden leben über 100 Mönche aus Tibet, Indien, Bhutan und Nepal nach den Lehren Buddhas. Dass ihr Klosterleben auch heute noch möglich ist, verdanken sie unter anderem Abt Nicholas Vreeland, dem ersten westlichen Vorsteher eines tibetanisch-buddhistischen Klosters in Indien.

Seine Geschichte beginnt Anfang der 80er, als der einstige Diplomatensohn seine teuren Maßschuhe auf die Straße stellt und sich für einfache Sandalen entscheidet. Das Birkenstock-Team hat ihn besucht und einen sehr außergewöhnlichen Menschen kennengelernt.

Nicholas Vreeland

Die Welt der Mächtigen und Reichen

Geboren in der Schweiz als Sohn des amerikanischen Diplomaten Frederick Vreeland führte ihn sein Leben unter anderem nach Bonn, Berlin, Marokko, Paris und New York. Von Beginn an betrachtete Nicholas die Welt als Heimat, denn seine weltoffene Familie verstand sich immer als Teil der Kulturen, in der sie lebte.

Gebügelte Geldscheine

Seine Mutter Betty war eng mit Jackie Kennedy befreundet, Vater Frederick schrieb für US-Präsident John F. Kennedy den legendären Satz „Ich bin ein Berliner“. Mit seiner Großmutter Diana Vreeland, einflussreiche Chefredakteurin der amerikanischen Vogue und eine der legendärsten Figuren der Modewelt, verband ihn eine enge Beziehung. Sie arbeitete mit weltberühmten Fotografen wie Irving Penn, zu ihren Freunden zählten Coco Chanel und Andy Warhol. Und Diana Vreeland war bekannt für ihren legendären Qualitätsanspruch: Eine Angestellte bügelte ihre Geldscheine und polierte sogar die Unterseiten ihrer Schuhsohlen.

Der junge Nicholas genoss in jungen Jahren das Leben: schnelle Autos, stilvolle Kleidung, teure Maßschuhe, Reisen und Partys. „Ich hatte eine gute Zeit, ging viel aus, lernte Frauen kennen - ich tat das, was man mit zwanzig gerne tut.“

Dazu zählte auch seine große Liebe zur Fotografie. Das Besondere: er lernte bei den besten Fotografen dieser Zeit – Irving Penn und Richard Avedon.

Nicholas Vreeland

Der Sinn des Lebens

Nicholas spürte aber bald, dass ihn dieses Leben nicht erfüllte. Ihm fehlte ein spirituelles Ziel. Mit Anfang 20 hörte er im New Yorker Tibet Center den Lehrer Khyongla Rato Rinpoche. Dessen simple Lehre der Selbstlosigkeit beeindruckte Nicholas nachhaltig: „Jener Suche habe ich mein Leben gewidmet – einfach, weil das, was ich hörte, so klar war. Und Mönch zu werden, erschien mir wie der logische nächste Schritt.“

Nicholas Vreeland
Nicholas Vreeland

Gibt es Hasen mit Hörnern?

Sein Eintritt ins Kloster 1985 im Alter von 31 Jahren war der Austritt aus allem Weltlichen. Er änderte Namen, Kleidung und Einstellung. Er lernte tibetisch und verschrieb sich dem Studium der Logik, einer Besonderheit des Rato-Klosters. Dazu gehört auch das tägliche Debattieren im Hof – eine zentrale philosophische Methodik. Nicholas verweist auf Buddhas Rat: „Akzeptiere nicht alles, was ich sage, nur weil ich es sagte. Hinterfrage es, teste es mit Logik.“

Dazu zeigt er uns auf dem Hof des Klosters ein unterhaltsames Beispiel: zwei junge Mönche sind gerade dabei, über die Existenz von Hasenhörnern zu debattieren. Ihr zentraler Punkt: Kann etwas existieren, nur weil es einen Namen hat?

Nicholas Vreeland

Rettung für sein Kloster

Nicholas fand in Rato seine Erfüllung. Die einzige Verbindung zu seinem früheren Leben ist die Fotografie. Nach seinem Klostereintritt legte er die Kamera zunächst beiseite; erst nach und nach begann er wieder zu fotografieren.

Als 2011 sein Kloster vor großen Problemen stand, ermutigte ihn Martine Franck, Witwe des legendären Magnum-Fotografen Henri Cartier-Bresson und gute Freundin, eine Auswahl von Porträts zusammen zu stellen. Sie organisierte internationale Ausstellungen, die schließlich den respektablen Verkaufserlös von über 450.000 Dollar erzielten – der Fortbestand von Rato Dratsang war gesichert.

Der Auftrag des Dalai Lamas

Schon vor Jahren nominierten ihn seine Mitbrüder als Abt, doch der Dalai Lama lehnte ihn ab – unter anderem mit der scherzhaften Bemerkung, dass seine Nase zu lang sei. Schließlich, nach der dritten Nominierung, stimmte seine Heiligkeit zu – verbunden mit dem Wunsch, „dass ich meine westlichen Ideen in diese Gemeinschaft einbringe und das, was ich hier erfahre, in den Westen bringe. Ich sollte eine Brücke sein“, erzählt Nicholas.

Der perfekte Mönchschuh

Die Verbindung zum Westen zeigt sich auch in der Wahl seiner Schuhe: Bis heute ist er überzeugter Träger von Birkenstock. Er fand sie, als er sich auf sein Mönchstum vorbereitete und nach passenden Sandalen suchte. „Ich kaufte ein Paar und sie wurden meine Mönchsschuhe“, so Nicholas.

„Birkenstock wäre nicht unbedingt der Stil gewesen, den meine Großmutter goutiert hätte. Aber dass ich sie pflege und poliere, hätte ihr gefallen!“

Nicholas Vreeland

Informationen:

Nicholas Vreeland's website: http://nicholasvreeland.com
The Tibet Center of New York and New Jersey website: http://thetibetcenter.org/schedule/

Möchten Sie das Kloster finanziell unterstützen?
Hier finden Sie hier nähere Informationen zur Rato Dratsang Foundation: http://www.ratodratsangfoundation.org/about.html

Weitere BIRKENSTORIES



BIRKENSTORY #26: Athénaïs de Béru

Athénaïs de Béru war erst Bankerin, 2006 übernahm sie das 500 Jahre alte Familien-Weingut im Burgunder Örtchen Béru. Hier sind Traditionen stark verankert, man macht Dinge auf eine bestimmte Weise. „Ich will nicht respektlos klingen, aber ich tat exakt das Gegenteil von allem, was man mir sagte“, erzählte uns Athénaïs.

BIRKENSTORY #25: Maya Wasowicz

Nach Meinung ihres Trainers zählt Maya Wasowicz zu den zehn besten Karate-Kämpferinnen der Welt. Als die gebürtige Polin mit 11 Jahren nach New York kam, sprach sie kein Wort Englisch. Ihre Sportleidenschaft führte sie zum Karate – hier konnte sie sich perfekt ausdrücken. Heute ist Mayas großer Traum, die USA zum ersten Mal in ihrer Sportart bei den Olympischen Spielen in Tokyo zu vertreten.