Ich bin das, was man im Englischen einen Nerd nennt.

Thomas Südhof

BIRKENSTORY #19

Thomas Südhof – Waldorfschüler, Neurowissenschaftler und Nobelpreisträger

Professor Thomas Südhof bezeichnet sich selbst als typischen Nerd. Der geborene Göttinger ist seit 2013 Nobelpreisträger und lehrt an der medizinischen Hochschule der Stanford University, südlich von San Francisco. Hier lebt er schon seit vielen Jahren mit seiner Familie. Wir besuchten den „wahrscheinlich einzigen Waldorfschüler mit Nobelpreis“ in seinem Zuhause. Südhof sprach mit uns über Auszeichnungen, Mode und seine Begegnung mit Barack Obama – natürlich in Birkenstocks.

Eigensinniger Außenseiter

Südhof war schon sehr früh sehr eigenständig. Bereits als 14-jähriger Teenager trampte er allein durch Europa, mit 16 ging er für ein Jahr nach Amerika. Geprägt haben ihn auch die Erfahrungen an der Waldorfschule, wo er besonders die offene Weltanschauung, die intellektuelle Ausrichtung und die lebendige Diskussionskultur schätzte.

Schon damals zeigte sich seine Neigung, alles zu hinterfragen. Offizielle Versionen von Ereignissen bezweifelte er grundsätzlich: „Ich akzeptierte nichts, was ich nicht selbst durch meine eigene Erfahrung bestätigen konnte“, beschreibt er sich rückblickend.

Verstehen, wie Krankheiten entstehen

Später, im Rahmen seines Medizinstudiums, wurde Südhof zunehmend klar, wie Ärzte behandeln. Sein Gefühl war, dass man lernt, so zu tun, als würde man Menschen helfen können. „Tatsache ist aber, dass wir bei den meisten Krankheiten nicht wissen, wie sie entstehen“, sagt Südhof. Er hält es für einen Fehler, dass die Gesundheitsforschung stets betont, an den Krankheiten selbst zu arbeiten. Das kostet viel Geld und klingt häufig gut. „Aber am Ende kommt nichts dabei raus; man kann eine Krankheit nicht wirklich behandeln, wenn man nicht weiß, was man behandeln soll,“ erklärt der leidenschaftliche Forscher.

Nobelpreis nach 27 Jahren

Auszeichnungen hatte Südhof nie im Sinn. Sein Interesse galt und gilt ausschließlich der Qualität seiner Forschungsarbeiten – verbunden mit dem Ziel, etwas zu erreichen, das Menschen hilft. Das Projekt, für das er 2013 den Nobelpreis für Medizin erhielt, hatte er bereits Ende 1986 begonnen. Schwerpunkt dieser Arbeit: die Kommunikation von Nervenzellen im Gehirn durch die Übertragung chemischer Botenstoffe. Südhof und sein Team befassen sich mit der Schnelligkeit und Präzision bestimmter Prozesse dieser Neurotransmitter.

Ansporn zum Weitermachen

Für Südhof ist der Nobelpreis eine ehrenvolle Auszeichnung. Trotz aller Freude darüber sieht er darin jedoch nichts, was ihn von anderen abhebt – er empfindet den Preis eher als Verantwortung. „Ich habe einfach Glück gehabt, andere nicht. Machen wir weiter“, sagt er lakonisch und spricht über neue medizinische Herausforderungen, wie Alzheimer oder Parkinson: „Diese Krankheiten werden zunehmen, auch deshalb, weil die Menschen länger leben.“

Mit Birkenstock ins Weiße Haus

Thomas Südhof hatte seit jeher seinen eigenen Kopf - das galt auch für seine Füße. Seit seinem 16-ten Lebensjahr liebt er Sandalen und entdeckte schließlich Birkenstock. „Ich habe lieber etwas Natürliches unter meinen Füßen als irgendein Plastik. Birkenstock-Sandalen waren mir schon als Student sehr angenehm, vor allem das Fußbett aus Kork“, erklärt er lächelnd.

Tatsächlich trägt er sie bis heute, immer und überall. Sogar als er mit einer Gruppe von Wissenschaftlern ins Weiße Haus eingeladen worden war und man sich im Oval Office mit Präsident Obama unterhielt, trug Südhof seine Birkenstocks.

Sein Fazit der Begegnung: „Obama ist einer der intelligentesten Menschen, den ich je kennengelernt habe.“

Forschung und Mode

Südhof trägt seine Sandalen ausschließlich mit Socken. Natürlich wird ihm ständig zu verstehen gegeben, dass das nicht „fashionable“ sei. „Aber das ist mir egal, tut mir Leid“, lacht er und zieht einen Vergleich mit der Forschungsarbeit. Auch hier seien Moden extrem verbreitet, wie er findet. Wie bei allen anderen menschlichen Tätigkeiten würden alle in eine Richtung laufen und dasselbe tun. Seine Meinung dazu ist unmissverständlich: „Ich glaube, wenn man wirklich erfolgreich sein will, muss man es schaffen, sich von Moden zu lösen und seinen eigenen Weg zu gehen!“

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