Das Ingwer-Bier, das wir uns wünschten, gab es nicht. Da haben wir es selbst gemacht!

Rachel Marshall

Birkenstory #7

Rachel Marshall, Gründerin & Inhaberin von „Rachel’s Ginger Beer"

Rachel Marshall trägt gerne Birkenstock zur Arbeit. Deshalb verlor sie sogar einmal einen Job. Dies war einer der Gründe, warum sie mit Lebensgefährten Adam vor sechs Jahren „Rachel’s Ginger Beer“ gründete. Heute beschäftigt sie 80 Angestellte.

Wir haben Rachel in Seattle getroffen. Sie verriet uns, was sie an Birkenstock begeistert und warum sie den besten Job der Welt hat.

Rachel wuchs mit drei Geschwistern in einer Kleinstadt im Staat Washington auf. Die Farmerfamilie hatte wenig Geld. „Wir haben immer draußen gespielt. Wenn ich Geld brauchte, habe ich Zeitungen ausgetragen oder Limonade verkauft“, erzählt sie. Schon früh begann Rachel, in der Gastronomie zu arbeiten, ihr Ziel war immer das Wohl der Gäste: „Wenn Leute einen schlechten Tag hatten, wollte ich sie herzlich bewirten, damit sie sich besser fühlten“.

Garmisch-Partenkirchen und die Geburt des Ingwer-Biers

Auf dem College lernte Rachel einen Münchner Fußballspieler kennen, folgte ihm nach Bayern. Nichts für die Ewigkeit, wie sich herausstellte. In Garmisch-Partenkirchen jobbte Rachel in einer Bar der US-Armee, lernte dort Adam, ihren jetzigen Partner und Vater der beiden gemeinsamen Kinder kennen. Garmisch-Partenkirchen liebt sie heute noch, denn hier wurde ihre Geschäftsidee geboren: Bei einem Kurztrip nach London probierten sie ein altes Erfrischungsgetränk, das es schon seit dem 18.Jahrhundert gibt: Ingwer-Bier. Beide waren begeistert und es war klar: sie wollten unbedingt ihr eigenes herstellen.

Hundert Rezepte später ...

Zurück in Seattle starteten sie ohne jedes Budget: tagsüber jobbten sie im Restaurant, nachts pressten sie Zitronen. Ihr Glück: die Küchenchefs stellten ihnen die Räume kostenlos zur Verfügung. Rachel und Adam experimentierten mit unzähligen Rezepten und Kohlensäure-Mischungen, so manches Mal flogen ihnen explodierende Flaschen um die Ohren. Schließlich: „Nach unzähligen schlaflosen Nächten hatten wir endlich unser Ding gefunden: ein ausgewogenes Ingwer-Bier, mit herbem Geschmack, viel frischer Zitrone und Ingwer - und wenig Zucker!“

…kommt schließlich der Erfolg

Anfangs halbierten und entsafteten sie jede einzelne Zitrone von Hand. Als die Nachfrage stieg und die Ellenbogen schmerzten, kam die erste Investition: „Ein Entsafter für 18.000 Dollar, damals ein Vermögen für uns“, sagt Rachel. Zeitgleich begannen sie, ihr Produkt in Restaurants und auf Farmer-Märkten zu vertreiben.

Ihr Ingwer-Bier überzeugte und langsam kam der Erfolg. Mittlerweile ist ihr Ingwer-Bier sogar in Los Angeles und New York gefragt. „Leider noch nicht in Deutschland, weil die begrenzte Haltbarkeit das nicht zulässt“, sagt Rachel und lacht: „Wir sollten wohl zu Euch kommen, um auch dort Ingwer-Bier zu machen.“

Im Sommer verarbeiten Rachel und ihre Mitarbeiter heute über 9 Tonnen Zitronen und 4 ½ Tonnen Ingwer, alles sorgfältig kontrolliert. „Wir fühlen uns wie Bauern: am Morgen hast du Früchte, am Abend Limonade. Das ist wie säen und ernten in acht Stunden. Ein sehr erfüllender Prozess“, so Rachel, und lacht abschließend: „Das lustige bei all unserem Erfolg ist: wir haben nur vier Zutaten - Zitrone, Ingwer, Wasser und Zucker. Jeder könnte das theoretisch hinbekommen, aber es ist wohl mehr als nur das...“

Qualität ist alles: You do it nice – or you do it twice

Rachels Prinzipien sind so einfach wie klar: „Bei der Qualität gibt es für mich keine Kompromisse. Entweder du machst es richtig – oder du machst es noch mal. Wir wollten kein schnelles Geld, sondern perfekte Produkte! Deshalb verwenden wir zum Beispiel Rohrzucker statt Maisstärke, obwohl die günstiger wäre.“

Rachel überreichte jedem von uns am Ende unserer Dreharbeiten zwei große Flaschen ihres Ingwer-Bieres. Das komplette Team war begeistert. Die Qualität ist überragend, Rachels Ingwer-Bier schmeckt unbeschreiblich gut. Kalt, im Hochsommer direkt aus dem Kühlschrank getrunken, gibt es kaum etwas Besseres als ein Glas ihres „Ginger-Beers“ in irgendeiner der 13 angebotenen Geschmacksrichtungen. Und übrigens: „Eine Menge Leute denken, sie trinken Alkohol - aber es ist kein Bier, es wird nur ‚Bier‘ genannt“, klärt Rachel auf.

(Ginger-) Bier und Birkenstock

Rachel sieht Parallelen zwischen ihrem Firmenethos und dem von Birkenstock. Birkenstock-Sandalen sind für sie „das perfekte Qualitätsprodukt, das man jahrelang tragen kann.“ Sie kennt sie aus ihrer Kindheit, schon damals trugen sie viele Bekannte. Ihr erstes Paar erstand sie vor 20 Jahren und erklärt stolz: „Sie sind großartig: Ich habe Küchen-, Garten- und Ausgeh-Birkenstocks - sie sind meine Uniform.“

Für Rachel haben Birkenstock zudem „Klasse“: „Sie haben keinen Schnickschnack und ich mag ihre Zuverlässigkeit“. Und das, obwohl sie wegen Birkenstock schon einen Job verlor. Das Gesundheitsamt erlaubte bei der Arbeit keine offenen Schuhe. Nach dieser „Birkenstock-Kündigung“ war Rachel klar: sie wollte nie wieder für andere Leute arbeiten. Trotzig sagte sie zu Adam: „Lass uns Ingwer-Bier machen!“ Und markierte so den Startschuss für „Rachel’s Ginger Beer“.

Wir haben den besten Job der Welt!

Dass ihr Konzept funktioniert, empfinden beide als Wunder. Heute haben sie 80 Angestellte, sechs Filialen - darunter auch die In-Bar „Montana“ - und ein Geschäft am berühmten Pike Place Markt in Seattles bester Lage. „Manchmal schauen wir uns an und können unser Glück kaum fassen: Wir haben echt den besten Job der Welt“, schwärmt Rachel.

Nur ein Wunsch ist noch offen: Irgendwann möchten beide wieder nach Bayern, vielleicht sogar für immer. Dann gibt’s womöglich bayrisches Ingwer-Bier.





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