Ich bin ein Star – nur weiß das keiner!

Bernd-Michael Land

BIRKENSTORY #11

Bernd-Michael Land – Pionier der elektronischen Musik

Als Mann der ersten Stunde experimentierte Bernd-Michael Land schon 1969 mit elektronischer Instrumentalmusik. Inspiriert durch Elektro-Musik-Pionier Karlheinz Stockhausen und das Elektronik-Album Switched on Bach aus dem Jahr 1968 fand der gelernte Schlossermeister, Schweißer und Sicherheitsberater seinen eigenen musikalischen Stil. Mittlerweile hat der unkonventionelle Hesse 17 Alben produziert. Wir besuchten ihn und lernten seine Philosophie aus bunten Haaren, Klangkunst und V8-Motoren kennen. Zudem wurde das Geheimnis der Birkenstock-Sandale auf dem Garagendach gelüftet.

Träume muss man leben

Der 64jährige Rodgauer ist eine auffällige Erscheinung, die Farbe seiner langen Haare wechselt regelmäßig. „Ich begann 1974 mit grün“, lacht er, „…aber mittlerweile hatte ich von kupferfarben bis orange schon alles drauf. Wegen lila flog ich sogar mal aus einer Kölner Pizzeria.“ Dass er ein bisschen „neben der Spur ist“, hat seine Familie nie gestört. „Meine Kinder haben das eher genossen, wenn ich sie mit bunten Haaren mit meiner Harley vom Waldorf-Kindergarten abholte“, schmunzelt Land. Derzeit trägt er die Haare grau, orange Strähnen sind in Vorbereitung. Sein Motto: „Das Leben ist zu kurz, um es langweilig zu gestalten! Ich habe schon immer mein Ding gemacht, egal, was andere denken!“

Land steht auf, wenn er wach wird, einen Wecker besitzt er nicht. Dabei liebt er es praktisch: „Ich trage meist nur Shirts, bügeln ist Zeitverschwendung. Und ich mag bequeme Schuhe.“ Irgendwann in den 70ern kam er auf Birkenstock: „...seitdem trage ich die Dinger. Nicht, weil ich sie elegant finde. Nein, die Birkies sind einfach unheimlich bequem und praktisch, das ist ein bisschen wie barfußlaufen. Und die Füße bekommen frische Luft,“ erklärt er uns.

Musik „machen“ wörtlich genommen

Obwohl Bernd-Michael Land die Musik nie zum Beruf machen wollte, hat sie ihn sein Leben lang begleitet. Erste musikalische Experimente führte er schon 1969 mit Bandmaschinen und Tonbandgeräten durch, bald kam der Synthesizer ins Studio. Ab da galt sein Interesse der elektronischen Musik, 1974 entstand Lands erstes Album. Im Laufe der Zeit entwickelte er auch Sounddesigns und Theatermusik, bastelt mit Leidenschaft an alten Sounds für Synthesizer-Firmen. Lands Lieblingsgerät ist ein historischer EMS-Synthesizer, den er liebevoll seine „Herzlungenmaschine“ nennt.

Dem Sound auf der Spur: vom „Bembeltechno“ zur Klangkunst

Land lebt heute von seiner Musik: Nachdem er viele Jahre unter dem Pseudonym Aliens Project den „Frankfurter-Bembel-Techno“ geprägt hatte, spielt er heute mit seinem Duo Thau elektronische Musik im Stil der 70er Jahre. Zudem macht er „Chill-out-Musik“, Meditationsmusik und Klangkunstprojekte. Aktuell beteiligt er sich am Welt-Umwelttag mit einem Projekt zum Thema Nachhaltigkeit. Die Musik und sein Studio bedeuten ihm alles: hier findet er Ruhe, Inspiration und Freude. Am meisten fasziniert ihn die Klangforschung, eine „ständige Suche nach neuen Sounds“, wie er es nennt.

„Ich bin ein Star – nur weiß das keiner!“

2015 wurde Bernd-Michael Land als „Bester Musiker 2014 national“ mit dem Deutschen Schallwelle Musikpreis für elektronische Musik ausgezeichnet. In seiner Szene ist er sehr bekannt, hier kennt ihn jeder. Und Land lacht, wenn er sagt: „Ich ein Star – nur weiß das keiner!“

Seine treuen Fans begleiten ihn seit Jahren, kommen inzwischen aus der ganzen Welt: Kanada, Amerika, Skandinavien und Japan.

Die Freiheit der Straße und der Füße

Bernd Michael Land liebt nicht nur Musik, sondern auch den Sound kerniger Motoren. Seit seinem 18. Lebensjahr fährt er Motorrad - aktuell eine schwere Yamaha Wildstar XV 1600 - und in seiner Garage steht ein kerniger Ford Mustang, mit dem er gerne auch nachts um drei über die Landstraßen fährt. „Ich mag diesen V8-Sound, der blubbert so schön“, erklärt uns Land diese Vorliebe.

Sogenannte „Hotrods“ – aufwändige Spezialumbauten alter Autos mit großen, frisierten V8-Motoren – sind seine weitere Leidenschaft. Den umgebauten Ford aus dem Jahr 1932 hat er gerade verkauft, ein neuer „Hotrod“ soll aber demnächst wieder her.

Land nutzt immer drei bis vier Birkenstock-Paare gleichzeitig und auch als Biker kombiniert er die Motorradkluft mit seinem Lieblings-Schuhwerk. Dafür steckt er einiges ein: Einmal flog ihm durch den Rückschlag seiner alten 50er-Jahre-Harley eine Birkenstock-Sandale hoch aufs Garagendach.

Weitere Informationen: bernd-michael-land.com




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